| |
|
         |
|
Arbeitsproben Natur |
 |
Wilde Pferde zwischen Neid und Mitleid
von Sven-Eric Kanzler; Recherche: Mannfred Goldbeck & Telané
Greyling
Erbarmungslos brennt die Sonne auf das öde Land. Felsen,
Geröll, Sand. Hier und da ein vertrockneter Strauch oder
ein gelbes Grasbüschel. Die Hitze füllt die ausholenden
Senken mit flüssiger Luft. In der flirrenden Fläche
schwimmen Schatten, nehmen allmählich Konturen an. Ein
Hengst mit Stute und Fohlen. Mühsam setzen die Tiere Huf
vor Huf. Weit ist der Weg zwischen Weide und Wasserstelle. Mit
jedem Tag ohne Regen wird er weiter, wird das Gras spärlicher.
Es muss schon lange her sein, seit es das letzte Mal geregnet
hat: Scharf zeichnen sich die Rippen der Pferde unter dem Fell
ab.
Die Wilden Pferde, die im Südwesten Namibias am Rande der
Namib Wüste leben, führen ein hartes Leben. Im Schnitt
fallen knapp 100 mm Regen pro Jahr - gerade genug für Sukkulenten,
dornige Sträucher und Gräser. Normalerweise finden
die Pferde genug Weide. Aber ab und zu gibt es Dürrejahre.
Dann wird die Nahrung knapp und schwächere Tiere sterben.
Wie 1991/92 oder 1998/99. In beiden Fällen sorgt das Leiden
der Pferde für Schlagzeilen und Hilfsaktionen. Großmütter
plündern ihren Sparstrumpf, Mädchen schlachten ihr
Sparschwein, damit die Pferde gefüttert oder gefangen und
auf Farmen gebracht werden können. Gespendet wird mit einer
Bereitschaft, von der manche Hilfsorganisation für notleidende
Menschen nur träumen kann.
Warum berührt das Schicksal der Wilden Pferde den Menschen
aus tiefstem Herzen? Was fasziniert uns an diesen Pferden?
Geheimnisumwitterte Herkunft
Ein Grund liegt sicherlich im Geheimnis um ihre Herkunft. Im
Südlichen Afrika hat es ursprünglich zwar Zebras und
(die vom Menschen ausgerotteten) Quaggas, aber keine Pferde
gegeben. Sie wurden von Europäern importiert: Ab dem 17.
Jahrhundert von Holländern und Briten, die Südafrika
vom Kap aus besiedelten; gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch
von Deutschen, die sich im Gebiet des heutigen Namibia niederließen.
Bei den Wilden Pferden der Namib handelt es sich also um Nachkommen
domestizierter Pferde, die ähnlich wie die Mustangs Nordamerikas
verwildert sind. Sie leben seit Jahrzehnten in der Nähe
die Wasserstelle bei Garub etwa 20 km westlich von Aus, die
sie mangels anderen Oberflächenwassers regelmäßig
aufsuchen müssen. Die Tränke ist ein Überbleibsel
einer Pumpstation für die Dampfloks der nahe gelegenen
Eisenbahnlinie und wurde später extra für sie eingerichtet
und erhalten.
Wie aber haben sich domestizierte Pferde in diese Gegend verirrt?
Und wie kam es, dass sie verwilderten? Bis heute gab es viele
Spekulationen, aber keine wirklich befriedigenden Antworten.
Vielleicht auch deshalb, weil das Ungeklärte, Geheimnisvolle
reizvoller ist als die nüchterne Wahrheit. Wer das Geheimnis
lüftet, mag als Spielverderber gelten. Dennoch soll den
Spekulationen an dieser Stelle ein Ende gesetzt werden.
Einer häufig gehörten und gelesenen Erklärung
zufolge ist ein Frachter mit Pferden und anderen Nutztieren
an der Skelettküste gestrandet; danach habe man die Tiere
am Strand herum laufen sehen. Allerdings hat sich die Havarie
Ende des 19. Jahrhunderts etwa 25 km südlich der Oranjemündung
zugetragen, also rund 200 km von Garub entfernt. Dass die Pferde
den Oranje überquert und dann durch den Wüstengürtel
gezogen sein sollen, will nicht recht überzeugen.
Mythos von Duwisib
Eine weitere Spekulation verbindet die Herkunft der Wilden
Pferde mit dem Schicksal des exzentrischen Barons Hansheinrich
von Wolf: Anfang des 20. Jahrhunderts hat von Wolf etwa 250
km nordöstlich von Garub auf seiner Farm Duwisib Pferde
für die deutsche Schutztruppe gezüchtet (heute ist
Schloss Duwisib eine Touristenattraktion). Nach seinem Tod während
des Ersten Weltkrieges in Europa sollen viele Pferde auf Duwisib
frei gelassen oder entlaufen sein. Doch die Farm war keineswegs
herrenlos, sondern lag in den Händen eines Farmverwalters.
Und den Büchern zufolge sind bis Ende der Dreißiger
Jahre keine Pferde verloren gegangen, während bereits in
den Zwanziger Jahren über die Wilden Pferde bei Garub berichtet
wird.
Gegen beide Erklärungsversuche spricht zudem, dass Pferde
in der Regel nicht umherziehen, sondern in dem Gebiet bleiben,
das sie kennen. Das legt den Schluss nahe, dass die Wilden Pferde
von Tieren abstammen, die in der Nähe von Garub und Aus
verloren gingen. Wer könnte hier Pferde verloren haben?
Durch dieses Gebiet sind Gruppen des Nama-Volkes gezogen, europäische
Händler, Missionare, Transportfahrer, Prospektoren, deutsche
Farmer und Soldaten der Schutztruppe. Allerdings können
einzelne entlaufene Pferde kaum den Grundstock zu der heute
bestehenden Herde gelegt haben. Zahl der Pferde und Vielfalt
der Merkmale lassen vielmehr auf eine größere Ursprungsgruppe
schließen.
Die deutsche Schutztruppe, so ein weiterer Erklärungsversuch,
habe während des Ersten Weltkriegs auf ihrem Rückzug
vor den südafrikanischen Truppen Pferde zurückgelassen.
In deutschen Militärberichten aus jener Zeit ist allerdings
von einem weitgehend geordneten Rückzug die Rede.
Jedoch findet sich in diesen Berichten ein Hinweis auf die tatsächliche
Herkunft der Wilden Pferde: Im März 1915 hatten 10.000
südafrikanische Soldaten mit 6.000 Pferden bei Garub ihr
Lager aufgeschlagen...
|
|
|
 |
| |
Namibia schielt auf den chinesischen Reisemarkt
(16-07-07)
Mann in Tarnkleidung erschießt deutschen Urlauber
(9-07-07)
Zuwenig Wasser: Canyon für Wanderer ab 31. Juli gesperrt
(2-07-07)
UNESCO erklärt Twyfelfontein zum Weltkulturerbe
(29-06-07)
NamibRand Nature Reserve eröffnet Aas-Restaurant für Geier
(27-06-07)
Nachrichten bestellen
|
|
|
|
|
|